Fehlermeldung

Deprecated function: The each() function is deprecated. This message will be suppressed on further calls in FieldCollectionItemEntity->fetchHostDetails() (Zeile 302 von /home/jbteamhf/websites/galeriebecker.de/sites/all/modules/field_collection/field_collection.entity.inc).

Videoarbeiten: Tracey Emin, Andrea Fraser, Dan Graham, Bruce Nauman, Bill Viola

2. Februar bis 11. März 2017

  • Die aktuelle Ausstellung der Jürgen Becker Galerie blickt zurück auf wegweisende Beispiele des künstlerischen Films der 1980er und 1990er Jahr, darunter Arbeiten von Tracey Emin, Andrea Fraser, Dan Graham, Bruce Nauman und Bill Viola. Dabei geht es um den Menschen, die Beziehung zum Mitmenschen, den Umgang miteinander sowie die Kommunikation und die Interaktion in der Gruppe; ein Miteiander steht ebenso im Fokus wie ein Gegeneinander.

    Tracey Emin (geb. 1963) ist bekannt für ihre autobiografischen Arbeiten. Ihr Leben dient der Künstlerin als Material. Mit ihren persönlcihen Arbeiten sprengte Emin in den 1990er Jahren die bis dahin akzeptierten und tolerierten Grenzen der Kunst. In ihrem Selbstportrait Why I Never Became a Dancer (1995) konfrontiert sie einen mit intimen Einblicken in ihre Jugend in der englischen Küstenstadt Margate. Während man sich verschiedenen Ansichten von Margate gegenübersieht - der ehemaligen Schule Emins, der Strandpromenade, den Einkaufspassagen - ist aus dem Off die Stimme der Künstlerin zu hören, die von ihrer Jugend, dem Erwachen ihrer Sexualität und dem Ausnutzen ihrer sexuellen Neugier durch älterie Männer erzählt. Um der Kleinstadt zu entkommen, nahm Emin 1978 schließlich an einem lokalen Tanzwettbewerb teil, in der Hoffnung die British Disco Dance Championship in London zu erreichen. Jedoch scheiterte sie, wurde während ihres Auftritts von ihren ehemaligen Sexpartners ausgebuht: "Slag, Slag, Slag" (Schlampe, Schlampe, Schlampe). Das Ziel Margate zu entfliehen rückte damit in weite Ferne. Jahre nach dieser Erniedrigung rechnet Emin mit dem Erlebnis ab, bietet ihren einstigen Peinigern die Stirn.

  • Seit den 1980er Jahren setzt sich Andrea Fraser (geb. 1965) in ihren performativen Arbeiten kritisch mit dem Kunstbetrieb und seinen Akteuren auseiander. In ihren Gallery Talks beschäftigt sie sich mit Präsentationsformen, Hierarchien und Ausschlussmechanismen des Kunstbetriebs. Ihre Performance May I Help You? (1991) befasst sich mit Konventionen und der Rhetorik der Kunstwelt. Das Video zeigt Mitarbeiter der Galerie American Fine Arts bei ihrer Arbeit. Statt die Besucher der Galerie wie üblich höflich zu ignorieren, halten sie einen mehrminütigen Dialog zu den ausgestellten Werken - Allan McCollums Plaster Surrogates. Dabei wechseln sie mehrmals ihre Perspektive auf die Werke, scheinen mit unterschiedlichen Stimmen zu sprechen. McCollums Ausstellung wird zur Bühne für Frasers Performance, seine Werke zur Requisite. Grundlage der Monologe ist ein von Fraser verfasstes Script, für das sich die Künstlerin stereotypo Aussagen von Händlern und Sammlern aneignet und miteinander verwoben hat.

  • In seinem Video Rock My Religion (1983-1984) führt Dan Graham (geb. 1942) die Zusammenhänge von alternativen Religionen und Rockmusik vor Augen. Den Ausgangspunkt stellen dabei die puritanischen Shaker-Gemeinden dar - eine Sekte, die sich ab 1774 in den USA ansiedelte und Selbstentsagung und ekstatische Trancetänze praktizierte. Zur Musik von Sonic Youth und Glenn Branca erzählt das Video wie die Shaker durch rhythmisches Rezitieren und Bibelpassagen Trancezustände erreichen. Das Video hebt zugleich das Potential der gemeinschaftlichen transzendentalen Erfahrung während Rockkonzerten hervor, sodass man kaum umhinkommt auch Rock 'n' Roll. Die komplexe Collage aus Text, Musik und Filmmaterial stellt ein Essay über die Codes und den historischen Kontext des Phänomens Rock 'n' Roll dar. Konzertmitschnitte demonstrieren die mitreißenen, verführerischen, nahezu messianischen Qualitäten Musikern wie Jim Morrison, Bob Dylan und Patti Smith.

  • Bruce Nauman (geb. 1941) gilt als einer der Pioniere der Videokunst. Seine Videos der späten 1960er Jahre zeichnen sich vor allem durch die Arbeit mit dem eigenen Körper aus, den er ins Verhältnis zum umgebenden Raum setzt. 1973 beginnt er dann mit Schauspielern zusammenzuarbeitn, was ihm ermöglicht, das menschliche Miteinander zu thematisieren. Dabei werden die Betrachter mitunter mit irritierenden und schockierenden Inhalten konfrontiert. Sein Video Violent Incident - Man-Woman, Segment (1986), das 1986 von der Zeitschrift Parkett als Edition herausgegeben wurde, zeigt einen Auszug aus einem Pas de Deux, der damit beginnt, dass ein Mann und eine Frau an einem eingedeckten Tisch Platz nehmen. Der Mann bietet der Frau einen der beiden Stühle an, doch als diese sich setzen möchte, zieht er ihn weg. Was als schlechter Scherz beginnt, verwandelt sich durch die ständige, stakkatohafte Wiederholung der kurzen Sequenz in einen Akt brutaler Gewalt.

  • Bill Viola (geb. 1951) gilt seit den 1970er Jahren als einer der führenden Vertreter der Videokunst. Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit existentiellen Erfahrungen des menschlichen Seins und spirituellen Einflüssen. Seine fast einstündige Videoarbeit The Passing (1991) entstand in jenem Jahr als Violas Mutter starb und sein zweiter Sohn geboren wurde. Intime Videosequenzen vom Ableben seiner Mutter sowie der Geburt seines Sohnes bilden daher die biografische Grundlage und den Rahmen für diese Videoarbeit. Die Bilder vom Anfang und Ende des Lebens, Traum- und Erinnerungsbilder erscheinen aneinandergereiht, verweben sich und werfen damit Fragen nach dem menschlichen Sein auf, dem Anfang, dem Ende und dem Dazwischen. Den Hauptakteur, einen unruhig schlafenden Mann, spielte Viola selbst. Sein ruhiges Atmen bildet die Geräuschkulisse. Die kurzen Schlafsequenzen wechseln mit Aufnahmen von nächtlichen Landschaften oder Unterwasserszenen und gliedern damit die assoziativ angelegte Erzählstruktur des Videos, das für die ZDF-Reihe Das kleine Fernsehspiel entstand.

Schliessen